Dienstag, 13. August 2013

Interview mit Sven Halletz

Ich freue mich an dieser Stelle verkünden zu können, dass ich einen weiteren Interview- Partner für die Reihe "Angelspezi im Interview" auf unserem Blog begeistern konnte. Dieses Mal wird sich Sven Halletz meinen Fragen stellen und Rede und Antwort stehen. In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Spass und viel Vergnügen!

CA: Hallo Sven, schön, dass Du Dir Zeit genommen hast und Pate für unser zweites Interview bist.  Auf vielen Videos und Beiträgen kann man erkennen, dass Du eher nicht so der City -Angler bist. Gerade dieser Umstand macht das Interview sehr interessant, versucht man doch, einem Experten ein paar Antworten zu einer für Ihn eher unbekannten Angelei zu entlocken. Ich hoffe unsere Leser sehen das genauso!
Sven:
Naja, ganz unerfahren bin ich nicht, was das Angeln in einer Stadt betrifft. Aber grundsätzlich stimmt es: Ich angle lieber im Grünen als zwischen Stahl und Beton.


CA: Wenn Du nach Berlin zum Angeln eingeladen werden würdest und Du müsstest Dich für eine minimale Ausrüstung entscheiden, wie würde diese aussehen?
Sven:
Das hinge von der Jahreszeit ab. Aber vermutlich würde ich konsequent auf UL-Gerät setzen und mich mit einem Mix aus kleinen und mittleren Hardbaits sowie Finesse-Softbaits ausstatten.


CA: In Berlin angekommen, merkst Du schnell, dass Du es mit sehr hängerreichen Gewässern zu tun hast und die Zander sehr überfischt sind. Ich habe in einem deiner Facebook-Beiträge gelesen, dass Du dieses Jahr bereits eine Materialschlacht hinter Dich gebracht hast, die nicht zu Deinen Gunsten entschieden wurde. Wie würdest Du mit minimalem Aufwand versuchen die Zander doch noch zum Biss zu verführen ohne bei jedem zehnten Wurf Köderverlust zu erleiden? Hast Du spezielle Methoden um neue Gewässer,  möglichst hängerfrei zu fischen?
Sven:
Materialschlachten sind für mich nichts Ungewöhnliches – wo „gehobelt“ wird, fallen eben auch mal Späne... Auch in meinen Heimatgewässern gibt es dank der Biber zahlreiche „Ködergräber“. Um Hänger zu vermeiden, kann man sich verschiedener Tricks aus der „weedless“-Fischerei bedienen oder gar nicht erst mit Kontakt zum Gewässergrund fischen. Da Zander unter bestimmten Bedingungen im Mittelwasser oder nahe der Oberfläche rauben, gäbe es genug Optionen. Aber wenn wir da jetzt ins Detail gehen wollen, wird das hier kein Interview, sondern ein Buch... 

Sven Halletz, nicht nur begeisterter Barschangler
CA: Sehr oft habe ich gelesen, dass Du ein sehr begeisterter User der C/T-Rig Montage bist. Was macht für Dich speziell den ganz besonderen Reiz dieser Montage aus?
Sven:
Die Vielfältigkeit der Präsentation! Es sind nur zwei Rigs – aber  sie eröffnen ein schier unendliches Spektrum an Möglichkeiten, damit einen Köder zu präsentieren! Schon mal das C-Rig überlang im Wacky-Stil mit einem schwebenden 4-inch-Wurm gefischt? Klingt verrückt – aber genau damit habe ich einige meiner besten Barsche gefangen...

CA: Auch ich fische diese Montage hin und wieder sehr gerne, leider bis jetzt mit mäßigem Erfolg. Kannst Du als Experte guten Gewissens die C/T - Rig Montage auch an unseren überfischten Berliner Stadtgewässern empfehlen?
Sven:
Um dazu eine seriöse Antwort zu geben, müsste ich die Berliner Gewässer kennen. Doch genau das tue ich nicht! Insofern ist es ein bisschen wie Kristallkugelgucken. Aber grundsätzlich würde ich sagen: JA! Diese Rigs fangen eigentlich überall – allerdings muss man es jeweils an die aktuellen Gegebenheiten anpassen. Schwer oder leicht, kurzes oder langes Vorfach, große oder kleine Haken, nosehooked oder weedless, Craw oder Minnow – es gibt so unendlich viele Stellschrauben, an denen „gedreht“ werden kann, damit die Fische die Sache wieder interessant finden. Das ist die eigentliche Kunst bei den Finesse-Rigs: Sie für das jeweilige Gewässer und die jeweiligen Fischarten „passend“ zu machen! Vielleicht reicht es ja schon bei Euch, das T- und C-Rig brutal leichter zu fischen als bisher? Ich beobachte häufig, dass insbesondere das T-Rig viel zu grob und zu schwer gefischt wird. In einem Kanal von 2 Meter Tiefe sollte das Bullet nach meiner Meinung maximal 1 Gramm wiegen – nicht mehr! Und auch das ist oft noch viel zu schwer..


CA: In Berlin haben wir ja nun alle Gewässertypen. Flüsse, Seen und Kanäle. Wenn Du Dir zu Deinem ersten Trip einen Gewässer-Typ wählen müsstet, welchen würdest Du wählen und warum?
Sven:
Ich würde es zuerst in einem Fluss probieren. Flüsse haben meist den besten und vielfältigsten Fischbestand. Erfolgreiche Seen-Angelei setzt sehr genaue Gewässerkenntnis und oft auch ein Boot voraus, Kanäle wirken oft optisch langweilig, überdies ist der Fisch (außer an Schleusen und Einläufen) nur schwer zu lokalisieren. Also tendiere ich zum Fluss – weil ich glaube, dass sich dort am ehesten Erfolg einstellen würde.

CA: Mal etwas ab von der City - Angelei. Bei einigen  in der Öffentlichkeit stehenden Anglern  hat man auf Grund ihrer Beiträge und Videos eine Vermutung, welches ihre am liebsten beangelten Fischarten sind. Bei Dir konnte ich noch keine Tendenz feststellen. Du freust Dich über jeden Fisch ob groß ob klein egal ob Zander, Hecht, Barsch oder Rapfen. Da Du oft mit sehr kultigen Kopfbedeckungen zu sehen bist, glaube ich ja, dass Du das Geheimnis wohl "behütet" mit Dir herumträgst *g*. Würdest Du für die Leser einmal auf Deine Kopfbedeckung verzichten und uns verraten welchen Fisch zu am liebsten beangelst und welche Methoden Du dafür am liebsten anwendest?
Sven:
Ja, ich habe durchaus einen Lieblingsfisch: Es ist der Hecht! Warum? Ganz einfach: Er wird groß, kämpft gut, beißt aggressiv und ist mit vielen verschiedenen Methoden zu fangen – vom Topwaterfischen bis hin zum grundnahen Jiggen. Kaum eine andere Raubfischart lässt sich so vielseitig das ganze Jahr hindurch fangen wie er!
Und am liebsten – das hat sich ja eben schon angedeutet – angle ich mit der Spinnrute. Ob dann am Ende der Rute ein Jig, ein Wobbler oder ein Softjerk eingehängt wird, ist mir hingegen relativ egal. Das mache ich von den tagesaktuellen Bedingungen abhängig. Ich bin zum Glück mit keiner Angelmethode „verheiratet“ – was für mich am Tagesende zählt, ist nur der Fang!
Deswegen glaube ich auch, dass übers Jahr gesehen nicht der „Schmalspur-Spezialist“, sondern der vielseitige Spinnangler den meisten Spaß am Wasser haben wird. Vielleicht hat der Schmalspur-Spezialist am Jahresende die größeren Fische – aber den meisten Spaß hatte wohl der vielseitige Spinnangler! Warum? Weil er irgendwie immer einen Dreh’ findet, auch unter schwierigsten Bedingungen ein paar Fische aus dem Wasser zu kitzeln.  Das macht auch für mich den Reiz beim Angeln aus: Etwas aus dem Wasser zu kitzeln! Ob das dann ein Rapfen oder Barsch ist, ob der Fisch mttelgroß ist oder ein Monster, ist mir relativ egal. Ich will am Wasser Fang-Spaß haben – und keine neuen Rekorde aufstellen.


Vielen Dank Sven, das waren sehr schöne Abschlussworte, in diesem Sinne wünschen wir Dir Alles Gute und weiterhin viel Erfolg und hoffen weiterhin auf viele schöne Videos und Beiträge von Sven "The Pike" Halletz!

Vielen Dank sagt das Team von City - Angler